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Der höchste Berg der Welt ist 8848 Meter hoch. Geologen stellen die Höhenangabe aber seit Jahrzehnten infrage. Nun will Nepal Klarheit schaffen.
Seit Jahrzehnten ist das fix: 8848 Meter. So hoch ist der Mount Everest, der höchste Berg der Welt, dessen Südwestseite im Himalaya-Gebirgsmassiv nach Nepal, Nordostseite nach Tibet abfällt.
Doch Geologen stellen die Höhenangabe seit Jahrzehnten infrage, unterliegt die Berechnung doch einer Vielzahl von Faktoren. Nepal will es wissen und hat daher einem Team von Landvermessern den Auftrag gegeben, die Everest-Höhenfrage ein für allemal zu klären.
Einfach ist das keinesfalls, sind sich Geologen doch nicht einmal einig, was sie in ihre Berechnungen einbeziehen sollen.

Wie den Berg vom Meeresspiegel aus messen ?
Gehört die Schneekrone des Gipfels miteinbezogen ?

Je nach Jahreszeit und Windgeschwindigkeiten türmt sich auf dem Gipfel mehr oder weniger Schnee.

Oder gehört erst bis zum Felsgrund gebohrt ?
Und was ist mit dem schweren Erdbeben im April 2015, das den Berg um ein paar Zentimeter geschrumpft haben soll ?
Und wie exakt kann die Krümmung der Erdkugel eingerechnet werden ?

Offiziell gilt weiterhin die Höhe von 8848 Metern, doch Forscher aus der ganzen Welt, darunter China, Dänemark, Italien, Indien und den USA, haben andere Berechnungen angestellt, die manchmal etwas höher oder etwas niedriger liegen.
Der erste dokumentierte Versuch, die Höhe des Mount Everest zu messen, erfolgte Mitte des 19. Jahrhunderts durch ein Team, das von einem gewissen Sir George Everest angeheuert wurde, einem ehemaligen britischen Landvermesser im kolonialen Indien.

Die erste Messung ergab 8840 Meter

Mittels Triangulation wurden Daten über den Berg erfasst, der damals als "Peak XV" bekannt war, Gipfel 15. Dieser wurde im Jahr 1852 zum höchsten Berg der Welt erklärt. Eine Vermessung im Jahr 1856 gab die Höhe mit 8840 Metern an, eine Zahl, die erstaunlich nah an der später mit technisch viel besseren Geräten berechneten Höhe lag.
Ein Jahrhundert später, als die hinduistische Monarchie Nepal ihre Grenzen für Ausländer öffnete, rückten Wissenschafter ihre Messgeräte näher an den Berg. Seit Mitte der 1950er-Jahre wird der Mount Everest als der höchste Berg der Welt über dem Meeresspiegel mit einer Höhe von 8848 Metern anerkannt. 1992 kappte Italien die Standardhöhe um rund zwei Meter. 1999 hoben US-Wissenschafter die Bergspitze auf 8850 Meter an.
Bei allen Messexpeditionen war Nepal immer ausgeschlossen. Doch jetzt beauftragen nepalesische Vermessungsingenieure zum ersten Mal ein eigenes Team, um die Höhenfrage ein für allemal zu klären.
Denn der Mount Everest ist auch ein Thema, das den Nationalstolz beflügelt, obschon der Berg mit China geteilt wird. Nepal will nicht länger dulden, dass ausländische Experten die Höhe des Wahrzeichens festlegen.

Streit mit China

Das führte zu Streit mit China, das den Gipfel im Jahr 2005 sowohl vom Felsgrund aus als auch von der Schneespitze aus vermaß. China verlangte, die Messung von der Felsbasis aus mit einer Höhe von 8844 Metern als die offizielle Höhe des Bergs anzuerkennen.
Nepal weigerte sich, zumal ein paar Meter mehr oder weniger, die auf den Gipfelzertifikaten stehen, einigen Alpinisten ausreichen, um die Route zu wechseln. Offenbar ging die Zahl der Bergsteiger zurück, die den Gipfel von Tibet aus bestiegen, weshalb China die Höhe wieder mit 8848 Metern angibt.
Für höchste Genauigkeit wollen Nepals Vermessungsingenieure einen GPS-Empfänger auf das Gipfeleis stellen und die Höhe mathematisch aus geodätischen Signalen errechnen. Auch Nivellierinstrumente und Schwerkraftmesser werden eingesetzt.
Derzeit werden Messdaten entlang der südlichen Ebenen des Landes gesammelt, um den Meeresspiegel zu berechnen: Von Udayapur im Tiefland, das per Luftlinie rund 130 Kilometer vom Everest-Gipfel entfernt liegt, werden alle zwei Kilometer Daten erhoben.
Schließlich wird ein speziell ausgebildetes Team von Sherpas den GPS-Empfänger auf den Gipfel bringen, wo dieser eine Stunde lang Daten sammeln soll. Kostenpunkt insgesamt: eine Viertelmillion Dollar.
Um eine Frage zu klären, die eigentlich kaum exakt klärbar ist, zumal jede Gipfelmessung eine Momentaufnahme und Schwankungen unterworfen ist.

Quelle:
Salzburger Nachrichten, Die Vermessung des Everest
(Ausgabe vom 06.02.2018)