Wüsten



Hitzerekorde der Erde wurden und werden in Wüsten gemessen.
Den bisherigen Weltrekord hält Azizia (libysche Wüste) mit fast 58° C im Schatten. Aber auch das Death Valley in den USA mit 56,7° C und Queensland in Australien mit 53,3° C verzeichnen sehr hohe Werte.

Andererseits kann in Wüsten durchaus Frost vorkommen.
In den kalten Wüsten der Hochgebirge Zentralasiens ist das selbstverständlich.
In der Taklamakan sinkt das Thermometer des öfteren unter − 20° C.
Aber selbst in heißen Wüsten wie der Sahara kann es frieren. So wurden z. B. in Ghadames (Libyen) als absolute Tiefsttemperatur − 7° C gemessen.

Die Vorstellung, daß es in heißen Wüsten tagsüber über 40° C heiß wird und es dann in der Nacht friert, ist falsch, denn Frost gibt es nur an "kalten" Tagen.

Interessant ist auch die Verteilung der Temperatur in der Vertikalen:
Aufgrund der starken Sonneneinstrahlung ist die Temperatur in Bodennähe wesentlich höher als in der bei Messungen üblichen Höhe von 2 Meter.
Die hohen Temperaturen an der Erdoberfläche sind der Grund, warum viele Tiere in der Wüste ihre Aktivitäten in die Nacht− oder Morgenstunden verlegen. Angesichts der starken Temperaturabnahme im Boden ist es plausibel, daß sich Tiere tagsüber eingraben oder in Höhlen bleiben.

Die Extremwerte der Temperatur setzen auch den Gesteinen zu. Man kann davon ausgehen, daß der Boden in der Sonne auf bis zu 80° C erhitzt werden kann.
Wenn beispielsweise ein Felsblock auf so hohe Temperaturen erhitzt wird, dehnt er sich aus. Nachts kühlt er sich ab und zieht sich dabei zusammen.
Dieses ständige Ausdehnen und Zusammenziehen greift die Gesteinsstruktur an, der Stein verwittert.
Außerdem ist die Erwärmung nicht gleichmäßig: Die Schattenpartien sowie das Gesteinsinnere bleiben kühler, dehnen sich also weniger aus.
Auf diese Weise kommt es zu Spannungen im Gestein, der Felsblock kann zerspringen. Diese Art der Verwitterung, die aufgrund der Sonneneinstrahlung stattfindet, wird lnsolationsverwitterung genannt.
Jedenfalls liefert sie uns eine Erklärung für den häufig anzutreffenden Gesteinsschutt in Wüsten.

Auch die Niederschlagswerte weisen Rekorde auf: In Arica in der Atacama (Chile) fallen im Jahr durchschnittlich 0,7 mm Niederschlag. Im etwas weiter südlich gelegenen Iquique hat es einmal 14 Jahre lang überhaupt nicht geregnet.
Ein großes Problem in Wüsten und Halbwüsten macht die Variabilität der Niederschläge aus.
Manchmal regnet es jahrelang nicht, dann wieder gibt es ausgesprochen "feuchte" Jahre.
Klimatabellen, die in der Regel Mittelwerte aufweisen, machen dies nicht deutlich. Selbst in Ghadames (Sahara), wo im Durchschnitt nur 27 mm Niederschlag im Jahr fallen, hat es Monate gegeben, in denen mit 41 mm wesentlich mehr Niederschlag fiel als üblicherweise in einem ganzen Jahr.
Der maximale Niederschlag an einem Tag liegt bei 17 mm. An solchen Tagen können Teile der Wüste von regelrechten Sturzfluten heimgesucht werden.
So unglaublich es klingt, man kann in der Wüste durchaus ertrinken.

Die Lage mancher Wüsten im Passatbereich bedingt eine verstärkte Luftströmung. Zusätzlich führen Tempertaurunterschiede über unterschiedlich erwärmten (weil unterschiedlich gefärbten) Oberflächenpartien zu lokalen Winde.
In beiden Fällen können die Windbewegungen auch Sturmstärke erreichen. Wegen der fehlenden Vegetation werden Windbewegungen kaum abgebremst. Treten derartige Stürme über sandigen Wüstenflächen auf, so können die feinsandigen bzw. staubartigen Partikel verweht werden, und es kommt zu Sandstürmen, die erhebliche Ausmaße erreichen können.