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Montag, 19.11.2018, 12:23 Uhr
Der Einigungsprozess Europas hat einem über Jahrhunderte hinweg vom Krieg zerfleischten Kontinent eine inzwischen sieben Jahrzehnte währende Friedensphase beschert.
Den meisten Europäern ist damit bewusst, daß dieser Friede in vielerlei Hinsicht seinen Preis fordert.

Wo verlaufen die Grenzen der Europäischen Union ?

Die derzeitigen Grenzen bestehen weitgehend seit dem Beitritt der mittel− und osteuropäischen Länder 2004/2007. Seitdem verlaufen die Außengrenzen der Europäischen Union im Westen entlang des Atlantiks von Großbritannien und Irland im Norden über Frankreich bis nach Portugal.

Im Süden limitiert das Mittelmeer die Europäische Union von Spanien, über die französische Côte d´Azur, rund um Italien bis nach Griechenland. Dazu kommen die Inseln Zypern und Malta.

Im Osten verläuft die Grenze auf dem Festland von Bulgarien und Rumänien über die Slowakei und Polen bis zu den baltischen Staaten und Finnland. Den Abschluss bilden Schweden und Dänemark.

Innerhalb dieser Grenzen liegen als Nicht−EU−Inseln die Schweiz und der Großteil der Balkanstaaten, wobei viele von ihnen Beitrittsanträge gestellt haben.

Nach Slowenien ist 2013 Kroatien als zweites Land des ehemaligen Jugoslawien beigetreten.

Umstritten ist, wo das absolute Limit für die Ausbreitung der Europäischen Union liegt. Laut den Verträgen können alle Länder beitreten, die auf den europäischen Kontinent liegen.
Aber diese Bestimmung ist nicht immer einfach.

Island liegt genau auf der Grenze zwischen der europäischen und der amerikanischen Kontinentalplatte und ist damit der potentiell westlichste Vorposten der Europäischen Union.

Schwieriger gestaltet sich die Frage im Osten, denn dort gibt es keine klare Abgrenzung zwischen Europa und Asien.
Die geltende Meinung ist, daß Europa am Uralgebirge endet. Damit liegen Russland, Kasachstan und die Türkei sowohl in Europa als auch in Asien. Wenn also politisch gewollt, könnte sich die Europäische Union eines Tages bis zu diesen Ländern ausbreiten.

Außenposten der Europäischen Union sind die Überseegebiete einzelner Staaten wie zum Beispiel das französische Departement La Réunion vor Madagaskar oder die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla in Nordafrika.


Warum sind Lieferungen von Fleisch und Gemüse nach Afrika ein Problem ?

Die Europäer essen gerne Huhn: das zarte Brustfilet, die saftigen Schenkel.
Aber der Rest − Hals, Innereien, Flügel und Rückenteile − kann hierzulande kaum verkauft werden. Deshalb werden diese Teile nach Afrika exportiert.

Und weil die Unternehmen mit dem Verkauf der Filetstückchen in der Europäischen Union schon genug Gewinn gemacht haben, können sie die Reste in den afrikanischen Ländern zu Billigstpreisen (€ 0,60 bis € 0,90 pro Kilo Beinchen) unter die Leute bringen.
Die dortigen Bauern können bei diesem Preiskampf nicht mithalten. In Ghana ist von ehemals 100 % Selbstversorgung nur noch ein Prozent übrig geblieben.

Lange Zeit wurden Fleisch− und Gemüseexporte zusätzlich mit EU−Subventinen großügig unterstützt und die Preise in Afrika noch billiger gemacht. Eigentlich hatte sich die Europäische Kommission verpflichtet, die Subventionen bis 2014 gänzlich abzuschaffen.
Aber auch nach der Reform der Landwirtschaftspolitik 2013 bleibt die Möglichkeit bestehen, Subventionen einzuführen, sobald es in der Europäischen Union wieder einen Produktionsüberschuss gibt.



Ruth Reichstein lebt und arbeitet seit 2004 in Brüssel. Sie hat als freie Autorin für verschiedene Zeitungen, Fernseh− und Radiosender aus der Hauptstadt der Europäischen Union berichtet. Zur Zeit ist sie als Medienberaterin im Europäischen Parlament tätig.

Reichstein R., 2016, Die Europäische Union : die 101 wichtigsten Fragen, Verlag C.H. Beck, München
Ruth Reichstein − 101 Fragen zur EU
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