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Montag, 19.11.2018, 13:10 Uhr
Läuft alles nach Plan, startet die europäisch-japanische Raumsonde BepiColombo heute Nacht (Anm.: 21. Oktober 2018) ins Weltall. 2025 soll das unbemannte Raumschiff sein Ziel erreichen: Merkur, den kleinsten und bisher am wenigsten erforschten Planeten des Sonnensystems.

Ins äußere Sonnensystem können sich Raumsonden gar nicht häufig genug aufmachen: Der Mars erhält alle zwei Jahre Besuch von der Erde, und auch Jupiter und Saturn können sich über mangelndes Interesse der Erdlinge nicht beklagen. Raumsonden jedoch, die die Erde in die andere Richtung verlassen, also ins innere Sonnensystem fliegen, sind spärlich gesät.

Diesen Trend soll jetzt umgekehrt werden: BepiColombo ist eine Gemeinschaftsmission der europäischen Weltraumagentur ESA und ihres japanischen Gegenstücks, der JAXA. Europa steuert den "Mercury Planetary Orbiter" (MPO) zu der Mission bei, Japan den "Mercury Magnetospheric Orbiter Mio" (MMO). Beim Start sind beide Sonden, Europas Planetenerforscher und Japans Magnetfeldbeobachter, übereinander gestapelt, oben in der Nutzlastspitze einer europäischen Ariane-5-Rakete untergebracht. Hinzu kommen ein Sonnenschutzschild und ein technisches Versorgungsmodul für die lange Reise.

"Und so haben wir praktisch vier Elemente, die aufeinander angeordnet sind wie vier große Legosteine", erklärt Johannes Benkhoff, der Projektwissenschaftler von BepiColombo am europäischen Weltraumforschungszentrum ESTEC im holländischen Noordwijk.

Der Sonnenschild bildet die oberste Stufe, die vorderste Front der vierteiligen BepiColombo−Raumsonde. Denn weil die japanische Sonde oben auf der europäischen sitzt und damit im Flug nach vorne, Richtung Sonne, zeigt, muss sie genau vor der geschützt werden − so wie ein Hähnchen auf einem Grill. "Sie müssen es kontinuierlich drehen, damit es nicht anbrennt", so Benkhoff. "Wenn Sie seine Eigendrehung stoppen, wird es verbrennen."

Während des Flugs zum Merkur kann sich Japans Sonde jedoch nicht drehen, da sie mit den übrigen Elementen der BepiColombo−Konstruktion fest verbunden ist. "Deswegen haben wir den Sonnenschild, der den japanischen Orbiter umschließt und vor der Hitze der Sonne schützt", erklärt der ESA-Projektwissenschaftler.

Am Merkur angekommen, trennen sich die europäische und japanische Sonde dann und beginnen mit der Arbeit. "Merkur ist von allen Planeten der Sonne am nächsten", betont Go Murakami von Japans Weltraumagentur JAXA. "Deswegen ist er unmittelbar den Sonnenwinden ausgesetzt." Die Erde hat ein Magnetfeld, das sie vor diesen elektrisch geladenen Teilchen schützt. Der Merkur hat ebenfalls ein Magnetfeld. Aber es ist viel schwächer.

"Wir wollen herausfinden, ob auch sein schwaches Magnetfeld einen Schutz vor den starken Sonnenwinden bildet", so der japanische Wissenschaftler. Das Magnetfeld eines Planeten wird − so wie auch bei der Erde − durch Eisen im Kern erzeugt, das rotiert. Es könnte eine Art Dynamo sein, tief im Innern von Merkur, der für die magnetischen Feldlinien verantwortlich ist.

Der römische Götterbote Merkur ist der Schutzpatron all derer, die es eilig haben: der Reisenden und Kaufleute, aber auch der Diebe. Und so ist auch der Planet Merkur zügig unterwegs durchs All: Er ist der schnellste im ganzen Sonnensystem, umrundet in nur 88 Tagen einmal die Sonne. Ein Jahr auf diesem Himmelskörper dauert also nur etwa drei Erdmonate.

Bevor die Sonde den Merkur erreicht, sind erst einmal alle Augen auf den Weltraumbahnhof Kourou in Französisch−Guyana gerichtet: Von dort soll die lange Reise zum Merkur ihren Anfang nehmen und während des Fluges eine der Vorhersagen von Giuseppe Colombo überprüfen.

Der italienische Astronom hatte Merkur im vergangenen Jahrhundert mit Teleskopen beobachtet. Und er hat die Bahnen berechnet, auf denen sich Raumsonden dem Planeten nähern können. Im zu Ehren trägt die Sonde BepiColombo nun seinen Namen. Bewahrheiten sich seine Berechnungen, wird das europäisch−japanische Gemeinschaftsprojekt im April 2026 am Merkur eintreffen.

Quelle:
https://science.orf.at/stories/2940926/
(abgerufen am 20.10.2018)
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