Notbremse


Die Demokratische Republik Kongo (DRK) ist der mit Abstand größte Exporteur von Kobalt. Ein Auge darauf geworfen haben auch Rebellenmilizen, die sich im rohstoffreichen Osten vorkämpfen. Inzwischen wird in den zahllosen Minen aber so viel Erz abgebaut, dass der Preis abstürzte. Mit einem Exportverbot versucht die Regierung gegenzusteuern. Bis Ende dieser Woche stieg der Kobaltpreis bereits spürbar − mit unabsehbaren Folgen für die Hersteller von E−Autos.

In der DRK liegen über 90 Prozent der weltweit zugänglichen Kobaltvorkommen. Neun der zehn größten Kobaltminen weltweit befinden sich in dem afrikanischen Land. Die Welt bezieht 70 Prozent ihres Kobalts, eines Nebenprodukts von Kupfer oder Nickel, aus der DRK. Kobalt ist Grundstoff für Batterien, die Elektrofahrzeuge und Mobilfunkgeräte antreiben.

Der Absatz von E−Autos hat in China, den USA und Europa während der letzten Jahre stark zugenommen. Entsprechend begehrt ist der Rohstoff Kobalt aus der DRK, der dort zwar geschürft, allerdings nicht weiterverarbeitet wird. Kobalt geht nach Daten des Bergbauministeriums vollständig ins Ausland.

Zwei Drittel der weltweiten Kobaltminen befinden sich im Besitz von chinesischen Unternehmen. Über die Hälfte der weltweiten Verarbeitung von Kobalt findet in China statt. Das Land produziert auch zwei Drittel der Elektrofahrzeuge der Welt. Laut Internationaler Energieagentur (IEA) verfügt China über 85 Prozent der Produktionskapazität für Batteriezellen weltweit.

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Kongolesisches Kobalt hat aber ein schlechtes Image. Die Bodenschätze des Landes sind als "Blutmineralien" verschrien, weil es auch Milizen auf sie abgesehen haben, mit ihnen handeln und von dem Geld Waffen kaufen. Sie befeuern auch den aktuellen Konflikt im rohstoffreichen Osten der DRK, wo sich die M23−Miliz seit Anfang Februar heftige Kämpfe mit Regierungstruppen liefert und umfangreiche Gebietsgewinne verzeichnet.

Laut offiziellen Angaben wurden dabei bisher rund 7.000 Menschen getötet und Hunderttausende vertrieben. Die Regierung in Kinshasa beschuldigt Ruanda, M23 zu unterstützen und zu bewaffnen, um sich so Zugang zu den Rohstoffen der Region zu verschaffen. Ruanda wiederum spricht vom Schutz der Volksgruppe der Tutsi in der DRK. Internationale Rufe nach einer Waffenruhe blieben bisher ungehört.

Einen schlechten Ruf hat Kobalt aus der DRK auch wegen der katastrophalen Zustände in den unzähligen Kleinminen, in denen rund 15 bis 20 Prozent abgebaut werden. 80 Prozent stammen von industriellen Bergbaukonzernen, wo es zwar keine lebensgefährlichen Arbeitsbedingungen oder Kinderarbeit gibt, dafür aber schwerwiegende Umweltfolgen. Riesige Tagebaugruben verschlingen gewaltige Flächen Land und hinterlassen verseuchte Böden und Gewässer.

Kinshasa hat nun aber einen Exportstopp für das "blaue Metall" verfügt. "Diese Maßnahme zielt darauf ab, das Angebot auf dem internationalen Markt zu regulieren, der mit einer Produktionsschwemme konfrontiert ist", sagte Patrick Luabeya, Präsident der Behörde für die Regulierung und Kontrolle der Märkte für strategische mineralische Stoffe (ARECOMS). Das Exportverbot gelte drei Monate und werde danach überprüft oder aufgehoben.

Präsident Felix Tshisekedi hatte eigentlich auf einen Bergbauboom gesetzt, um mehr Geld in die öffentlichen Kassen zu spülen und Entwicklungsprogramme zu finanzieren. Die Kobaltproduktion stieg aber so sprunghaft, dass das Angebot die Nachfrage überstieg. Zu erheblichen Teilen ging das auf die Ausweitung des Abbaus durch chinesische Unternehmen zurück, die in der DRK tätig sind. China Molybdenum (CMOC) verdreifachte im vergangenen Jahr seine Produktion im Vergleich zum Schweizer Rohstoffriesen Glencore.

Infolgedessen brach der Markt zusammen. Ende Februar 2021 gab es an der Londoner Metallbörse (LME) noch rund 81.000 US−Dollar (rund 77.000 Euro) für eine Tonne Kobalt, vier Jahre später waren es nur mehr 21.400 US−Dollar. Seit dem Exportstopp erholte sich der Preis deutlich und kletterte bis Freitag um sechs Prozent auf 22.700 US−Dollar. Und die Tendenz zeigt weiter aufwärts. Die DRK kann aber nur die Exporte kontrollieren, nicht aber die Förderung.

CMOC etwa denkt eigenen Angaben gar nicht daran, die Produktion einzuschränken. Selbst wenn sich der Preis also weiter erholt, lasse der Exportstopp nur die chinesischen Kobaltreserven weiter wachsen, deren Verkauf irgendwann die Preise dann wieder senke, glauben Analysten. "Da es sich hier um ein Exportverbot und nicht um eine Produktionsquote handelt, könnte das lediglich die Lagerbestände erhöhen und den Angebotsüberhang etwas hinauszögern", sagte etwa Will Talbot von Benchmark Mineral Intelligence.

Ob sich der Exportstopp negativ auf die Automobil− und Elektronikindustrie auswirkt, lässt sich noch nicht absehen. Steigende Kobaltpreise und mögliche Lieferengpässe könnten die Produktionskosten für Elektrofahrzeuge, Batterien und Hightech−Geräte, die Kobalt enthalten, vorübergehend spürbar in die Höhe treiben, so Analysen. Es könnten Produktionsverzögerungen, Auftragsverluste und Wettbewerbsnachteile drohen.

Quelle:
https://orf.at/stories/3386046/
(abgerufen am 02.03.2025)