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Montag, 19.11.2018, 13:07 Uhr
Seit 2009 ist gebaut worden, jetzt steht die längste Seebrücke der Welt unmittelbar vor der Eröffnung. Die Hongkong-Zhuhai-Macao-Brücke dient ab Oktober als Verbindung zwischen Hongkong, Macao und Festlandchina und soll die Wirtschaftsregion weiter beflügeln − und die Wege für Touristinnen und Touristen sowie Waren im Perlflussdelta kürzer machen.

Ausgehend von Lantau Island − dort schließt die Straße zum Flughafen und ins zentrale Hongkong an − hat das Bauwerk eine Gesamtlänge von etwa 55 Kilometern, dazu zählen ein 6,7 Kilometer langer Unterwassertunnel und eine 22,9 Kilometer lange Brücke über das Meer. Über sie können von der Metropole aus künftig die ehemalige portugiesische Kolonie und nunmehrige Sonderverwaltungszone Macao bzw. die danebenliegende festlandchinesische Großstadt Zhuhai erreicht werden.

Mit Hilfe der Brücke lässt sich die Strecke vom Westen in einer halben Autostunde zurücklegen − bisher war ausschließlich Fährverkehr für Transport eingerichtet. Der Bau verlief nicht friktionsfrei: Eigentlich sollte die Brücke bereits 2016 eröffnet werden, doch machten gleich mehrere Zwischenfälle wie Unfälle, Korruptionsermittlungen und am Ende sogar mutmaßliche Baumängel dem Plan einen Strich durch die Rechnung − zum Überdruss wurde am Ende alles noch um einiges teurer als veranschlagt.

Bevor die Brücke für Busse, Autos und Lkws endgültig freigegeben wird, veranstalten die drei beteiligten Metropolen eine dreitägige Kontrollphase − ein letzter Härtetest, bevor die Brücke im Oktober auch tatsächlich eröffnet wird, wie es in der "South China Morning Post" ("SCMP") heißt. Dutzende Fahrzeuge sollen am Wochenende aus beiden Richtungen über die Brücke fahren und die Signal- und Computersysteme, Passagierzähler und Zolleinrichtungen auf die Probe stellen.

Auch sollen Unfall- und Rettungssituationen simuliert werden. Auch von einer Anti-Terror-Übung ist die Rede. Die tatsächliche Eröffnung könnte dem Vernehmen nach Ende Oktober stattfinden − ein Datum sei noch nicht öffentlich gemacht worden, hieß es. Wann auch immer genau, es wird hoher Politbesuch erwartet. Zuletzt kursierten Gerüchte, dass Präsident Xi Jinping bei der Zeremonie in Zhuhai persönlich anwesend sein könnte.

Es wäre ein Ausdruck dessen, was Peking mit dem gigantischen Projekt im Grunde bezweckt − nämlich eine engere Anbindung der beiden ökonomisch und gesellschaftlich pulsierenden Sonderverwaltungszonen Macao und Hongkong an die Volksrepublik. Vor allem in der ehemals britischen Kolonie gibt es seit Längerem Bestrebungen zur Ausweitung der Autonomie − vor allem jüngere Menschen wollen Pekings zunehmend festem Griff entkommen.

Die Eröffnung soll durchaus mit entsprechendem Symbolcharakter vonstattengehen, wie die "SCMP" mutmaßt: Der hohe politische Vertreter der Volksrepublik soll über die Brücke nach Hongkong fahren und danach die Zolleinrichtung passieren, eine Übernachtung in Hongkong sei aber nicht geplant, heißt es. Die Eröffnungszeremonie wird im festlandchinesischen Zhuhai stattfinden, darauf hatten sich die drei Verwaltungen erst vor wenigen Wochen geeinigt.

Bereits für den Bau der Brücke waren keine Kosten gescheut worden: Alleine die chinesische Provinz Guangdong legte sieben Milliarden Yuan (etwa eine Milliarde Euro) aus − 15,73 Mrd. Yuan (1,95 Mrd. Euro) verschlang das Projekt offiziell insgesamt. Inoffizell werden um ein Vielfaches höhere Summen genannt. Die Brücke soll Windgeschwindigkeiten von bis zu 200 km/h, Erdbeben bis zur Stärke acht und Kollisionen mit bis zu 300.000 Tonnen schweren Schiffen widerstehen können.

Abgesehen von Kosten und Widerstandsfähigkeit läuft im Hintergrund längst der Kampf um die möglichst profitable Nutzung der Brücke: Busunternehmen gehen mit Kampfpreisen auf die bestehenden und sehr gut funktionierenden Fährbetreiber los, durch deren Logistik etwa Gepäck vom Hongkonger Flughafen ohne Gang zum Gepäcksband direkt in die Zielorte der Fähren − etwa nach Macao oder Zhuhai − gebracht werden kann.

Doch die Vorteile der Busverbindungen zeichnen sich bereits ab: während die letzte Fähre vom Hongkonger Flughafen nach Festlandchina schon am frühen Abend fährt, wollen die Busbetreiber den Transferservice 24 Stunden und sieben Tage die Woche anbieten. Kosten soll eine Busfahrt nur die Hälfte der Fährpassage − auch können Passagiere nicht nur auf den Hafen, sondern auch ins Stadtzentrum gebracht werden.

Quelle:
https://orf.at/stories/3037042/
(abgerufen am 27.10.2018)
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