Verstärkung


Starkregenereignisse sind in Österreich in den vergangenen 40 Jahren intensiver geworden. Vor allem kurzfristige Extremniederschläge haben aufgrund der Klimaerwärmung stark zugenommen − auch kleinräumige Hochwasserereignisse treten deshalb zunehmend auf, berichtet ein Konsortium von drei österreichischen Universitäten im Fachjournal "Nature".

Im Vergleich zum Jahr 1980 bringen kurzfristige Starkregenereignisse in Österreich heute merklich mehr Niederschlag mit sich. Das zeigt eine Analyse zweier über hundert Jahre laufender Messreihen, die ein Team von österreichischen Experten und Expertinnen im Fachjournal "Nature" vorstellt. Vor allem bei großen, rasch auftretenden Niederschlagsmengen gibt es einen "starken Aufwärtstrend", sagt der Hydrologe Günter Blöschl. Sie bringen mittlerweile durchschnittlich um 15 Prozent mehr Wasser. Der Grund sind höhere Temperaturen.

Dass es eine Studie mit komplett aus Österreich kommenden Daten, ausgewertet von Forscherinnen und Forschern der Technischen Universität (TU) Wien, der GeoSphere Austria, vom Landwirtschaftsministerium und der Universität Graz, in das Fachblatt "Nature" schafft, passiert nicht oft. In dem Fall handle es sich aber um Erkenntnisse, die für weite Teile der Erde − und vor allem für die mittleren Breiten − Gültigkeit haben, erklärt Blöschl von der TU Wien. Man zeige hier, wie sich die gestiegenen Temperaturen auf regionaler Ebene auswirken und was das für die Hochwassersituation bedeutet.

Da in Österreich der Niederschlag über mehr als hundert Jahre hinweg von zwei unabhängigen Stellen − der GeoSphere Austria, der einstigen Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG), und vom Hydrografischen Dienst − akribisch parallel dokumentiert wird , lasse sich das hierzulande detailliert untersuchen.

Bundesweit gibt es insgesamt 883 Messstationen, von denen 163 auch stündlich Niederschlagswerte erheben. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler konnten so entsprechend genaue Messreihen vom Jahr 1900 bis ins Jahr 2023 analysieren. Das gebe es so kein zweites Mal, so der Hydrologe.

Wie sich die durch den Klimawandel steigenden Durchschnittstemperaturen − in Österreich liegen sie momentan bei einem Plus von rund zwei Grad Celsius − auf Starkregenereignisse vor allem in den Sommermonaten auswirken, ist eine der großen Fragen in der Klimaforschung und für das Hochwassermanagement.

Pro zusätzlichem Grad Celsius kann Luft um sieben Prozent mehr Wasserdampf aufnehmen. Die stärkere Erwärmung in Bodennähe führt außerdem dazu, dass die feuchteren Luftmassen rascher von den Böden aufsteigen, in höheren Schichten schnell abkühlen und deshalb zu insgesamt mehr Regen führen, erklärt Blöschl.

Dementsprechend wird schon länger angenommen, dass sich kurzfristige Niederschlagsereignisse verstärken müssten. Genau festmachen konnte man das aber auf diesem Niveau nun zum ersten Mal, so der Hydrologe. Denn in Österreich lassen sich aus den Daten sogar stündliche Regenmengen ab dem Jahr 1950 ablesen.

Verstärkung 01

Tatsächlich zeigte sich hier für den Zeitraum von 1950 bis 1980 keine signifikante Veränderung. Danach nahmen Starkregenereignisse aber deutlich zu. "Ein durchschnittlicher Starkregen brachte im Zeitraum 2003 bis 2023 um 15 Prozent mehr Wasser als ein durchschnittlicher Starkregen im Zeitraum 1950 bis 1970", sagt Studienhauptautor Klaus Haslinger von der GeoSphere Austria in einer Aussendung.

Diese Entwicklung hänge weniger mit den großen globalen Zirkulationen in der Atmosphäre zusammen, sondern erkläre sich großteils durch die zusätzliche Energie, die lokal vorhanden ist, so Blöschl: "Das heißt dann auch, dass das mehr oder weniger überall außerhalb der Tropen auf ähnliche Weise passiert. Das ist die erste Studie weltweit, die das zeigt."

Betrachtet man die während eines gesamten Tages gefallenen extremen Regenmengen, zeigt sich tatsächlich ein etwas differenzierteres Bild: Von 1900 bis 1960 blieben die täglichen Starkregenmengen relativ konstant und gingen zwischen 1970 und 1990 sogar etwas zurück. Ab dann nahm die tägliche Starkregenmenge bis in die 2010er Jahre um acht Prozent zu.

"Die Tagesmengen von Starkregen schwanken über die Jahrzehnte an der Nordseite der Alpen deutlich stärker als im Süden", sagt Klimaforscher Haslinger. Zusätzlich durchgeführte Untersuchungen zeigten hier einen sehr starken Zusammenhang der Regenmengen mit bestimmten Wetterlagen.

Verstärkung 02

Eine wichtige Erkenntnis der Studie ist somit, dass extreme Tagesmengen stark von der Entwicklung der Großwetterlagen, zum Beispiel von der Häufigkeit von Tiefdruckgebieten, die vom Mittelmeer nach Österreich ziehen, abhängen. Während kurzfristige Starkregenereignisse mit extremen Regenmengen innerhalb einer Stunde hauptsächlich von höheren Temperaturen bedingt durch den Klimawandel beeinflusst werden.

Wenn kurzfristige Starkniederschläge stärker zunehmen als länger andauernde intensive Regenphasen, steigt das Hochwasserrisiko, wobei verschiedene Regionen unterschiedlich stark betroffen sind. Entlang kleinerer Flüsse mit kleineren Flusseinzugsgebieten könne es bei heftigen Gewittern häufiger zu Überflutungen und Sturzfluten kommen. Das zeige sich auch bereits in den heimischen Daten. "Solche Ereignisse produzieren aber kein Hochwasser in der Donau", sagt Blöschl.

Es müsse mehr über regionalen Hochwasserschutz nachgedacht und genau analysiert werden, wie sich nochmals intensivere, kurze Starkregenereignisse in einer spezifischen Region auswirken. Denn mit der Erderwärmung nehme die Intensität von Starkniederschlägen im gesamten Bundesgebiet zu.

Quelle:
https://science.orf.at/stories/3229272/
(abgerufen am 13.03.2025)