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Das Ö1 Wirtschaftsmagazin
Montag, 19.11.2018, 13:04 Uhr
Der vergangene Sommer war extrem trocken und auch heiß, dann folgten Orkanstürme und Hochwasser, wie sie nur alle 100 Jahre vorkommen. Der Alpenraum ist besonders betroffen, er erwärmt sich stärker. Wetterextreme werden sich häufen.

Laut Peter Hoffmann vom Potsdamer Institut für Klimafolgenforschung erwärmen sich die Kontinente der Nordhemisphäre mit 1,4 Grad deutlich stärker als im globalen Durchschnitt von 1,2 Grad. Die Alpenregion, die Hochgebirgslagen mit Gletschern, erwärme sich sogar noch deutlich stärker. Wie lange es noch größere Gletscher geben werde, hänge von Klimaschutzmaßnahmen auf globaler Ebene ab. Arktisches Meereis und alpine Gletscher gehören zu globalen Kippelementen des Klimasystems.

Bereits bei zwei Grad Erwärmung seien beide schwer zu halten. Die zwei Grad seien aber jetzt schon lokal erreicht. Erwärme sich die Erde global um zwei Grad, müsse man für die Alpen mit drei oder vier Grad rechnen, sagte Hoffmann. Dennoch werde es in bestimmten Regionen auch weiterhin Kälteeinbrüche geben. Langfristig werde sich auch der Wintertourismus verändern müssen, denn Schneesicherheit verschiebe sich nach oben und verkürze sich. Die Branche müsse dann alternative Konzepte andenken.

Die letzten Unwetter brachen extreme Regenfälle in Kärnten und Mittelmeerraum: "Viele Veränderungen deuten darauf hin, dass der Klimawandel eine Ursache ist. Das sind die steigenden Temperaturen von mehr als 1,4 Grad seit Beginn der Aufzeichnungen. Auch die Ozeantemperaturen steigen, vor allem im Mittelmeer hat man einen Anstieg von ca. einem Grad in den letzten Jahrzehnten messen können. Auch die Temperaturkontraste in der Atmosphäre verändern sich. Zum einen erwärmen sich die nördlichen Breiten stärker in Vergleich zum Äquator, andererseits erwärmen sich die Kontinente stärker im Vergleich zum Ozean."

Das verändere Luftströmungen, Windsysteme und Großwetterlagen über Europa. Schon jetzt sehe man, dass bestimmte Wetterlagentypen häufiger auftreten und länger vor Ort verweilen, so Hoffmann. Das seien einerseits blockierende Wetterlagen über Mitteleuropa, nordatlantische Tiefs können sich nicht von West nach Ost verlagern. Ihre Zugbahn verläuft über dem Mittelmeerraum und wenn sie zu dieser Jahreszeit auf noch warmes Mittelmeerwasser treffen, führe das zu einer Labilisierung der Atmosphäre, das heiße, gewittrige Niederschläge werden begünstigt. Im Zusammenspiel mit Gebirgen könne es lokal zu sintflutartigen Regenfällen kommen. Aufgrund der Erwärmung steht mehr Wasser in der Atmosphäre zur Verfügung.

Auf der Alpensüdseite habe sich die Anzahl der Starkregentage erhöht, aber auch deren Intensität. "Das kann man nicht nur darauf zurückführen, dass die Atmosphäre wärmer geworden ist und mehr Wasserdampf zur Verfügung steht, es muss auch eine dynamische Komponente für diese Häufung im Südalpenraum verantwortlich sein." Der Sommer war trocken, jetzt regnet es sehr viel, Hoffmann sagte dazu, beides seien die Kehrseiten derselben Medaille. Die Extreme des Sommers werden sich in Zukunft intensivieren. Die langen Hitze- und Trockenphasen in Mittel- und Südeuropa werden sich verstärken. Künftig könnten diese Extreme das Normale werden.

Man sehe laut Hoffmann, dass sich die Jährlichkeit von alle 100 Jahre vorkommenden Hochwassern bei zwei Grad Erwärmung auf 30 Jahre verkürzen könne. Man müsse sich auf Trockenheit und Hochwasserereignisse gleichermaßen einstellen. Abhängig ist dies von regionalen Gegebenheiten, die Versiegelung der Böden spiele eine wichtige Rolle. Ballungszentren müssen entsiegelt werden, damit Wasser mehr verdunsten könne. Man müsse auch im Fall von Regenfällen dem Wasser mehr Raum geben, so Hoffmann.

Als Ausblick sagte Hoffmann, es liege an den Menschen, an politischen Entscheidungen und an nachhaltiger Wirtschaft weltweit. "Wir haben es in der Hand, einen Teil dazu beizutragen, dass wir eine über zwei Grad wärmere Welt vermeiden. Das hängt von Urlaubsentscheidungen ab, von Ernährungsentscheidungen, wie weniger Fleisch zu essen und auch von der Mobilität. Sie ist stark auf das Auto fokussiert, hier gibt es starke Potenziale zum Einsparen."

Quelle:
https://kaernten.orf.at/news/stories/2945782/
(abgerufen am 11.11.2018)
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