Keine Überraschung
Die ungewöhnlich starke Erwärmung der Meere in den vergangenen zwei Jahren war laut einer neuen Studie nicht unvorhersehbar. Ein seltenes Extremereignis habe dazu geführt. Nicht nur für Fachleute ist das ein beruhigendes Ergebnis. Es zeige, dass bisherige Klimamodelle funktionieren.
Zwischen April 2023 und März 2024 stiegen die globalen Oberflächentemperaturen der Meere sprunghaft an und brachen die vorherigen Temperaturrekorde um rund 0,25 Grad Celsius.
Dieser Anstieg war der größte Sprung seit Beginn der Meerestemperaturmessungen. "Das kam für viele Fachleute in der Klimaforschung unerwartet", sagt Jens Terhaar von der Universität Bern im Interview mit der Nachrichtenagentur Keystone−SDA. Er ist Erstautor der am Mittwoch in der Fachzeitschrift "Nature" veröffentlichten Analyse .
In der Studie zeigen die Forschenden um Terhaar, dass dieser Temperatursprung zwar unwahrscheinlich war, aber mit dem derzeitigen Verständnis über die Klimaerwärmung erklärt werden kann. Laut dieser Untersuchung handelte es sich um ein Extremereignis, das statistisch gesehen nur einmal in mehr als 500 Jahren auftreten dürfte. Das bedeutet, dass der extreme Anstieg der Meerestemperaturen nicht völlig unerwartet war. "Ohne Klimawandel hätte das aber nicht passieren können", stellt Terhaar klar.
Das Resultat bedeutet auch, dass die bisherigen Klimamodelle funktionieren. "Wäre dieser Sprung mit den vorhandenen Modellen nicht reproduzierbar gewesen, wäre das eine sehr schlechte Nachricht gewesen", so der Forscher. Das hätte die Fähigkeit der Modelle in Frage gestellt, zukünftige Risiken im Zusammenhang mit dem menschengemachten Klimawandel zu bewerten.
Die Modelle sind nicht nur in der Lage, den Sprung der Temperaturen zu simulieren, sondern sagten auch das Ende der Rekordtemperaturen im Sommer 2024 korrekt voraus. In den Jahren nach dem Sprung gibt es dem Forscher zufolge in keinem der Modelle eine zusätzliche unerwartete Beschleunigung der Meereserwärmung.
Passiert auch weiterhin, was die Modelle vorhersagen, wird die globale Oberflächentemperatur der Ozeane laut Terhaar wieder zum langfristig erwarteten Erwärmungstrend zurückkehren. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden Meeresoberflächentemperaturen schon im September 2025 wieder auf das Niveau vor dem sprunghaften Anstieg zurückgekehrt sein.
Quelle:
https://science.orf.at/stories/3229282/
(abgerufen am 13.03.2025)