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Dienstag, 19.03.2019, 11:24 Uhr
Rund 158.000 Kubikkilometer Eis beherbergen die Gletscher der Welt - die Eisschilde Grönlands und der Antarktis ausgenommen. Das ist deutlich weniger als bisher angenommen, wie Forscher in einer neuen Studie errechnet haben. Vor allem die Eismassen vieler asiatischer Gletscher wurden bisher deutlich überschätzt.

Die Forscher kombinierten Berechnungen aus fünf Gletschermodellen und berücksichtigten über 215.000 Gletscher weltweit, abseits der großen Eisschilde Grönlands und in der Antarktis. Letztere verhalten sich anders als die deutlich kleineren Berggletscher, weshalb andere Modelle und Methoden zu deren Erforschung eingesetzt werden, sagte Fabien Maussion vom Institut für Atmosphären- und Kryosphärenwissenschaften der Universität Innsbruck.

Vor allem die bisher offenbar überschätzten Süßwasserreserven im vermeintlich ewigen Eis Asiens werfen ein neues Licht auf einige Annahmen über die zukünftige Entwicklung angesichts der Klimaerwärmung. Denn das Gletscher-Gesamtvolumen der Erde beträgt laut der neuen Analyse, zu der Maussion und Kollegen eines der fünf verwendeten Computermodelle beigesteuert haben, nur rund 158.000 Kubikkilometer. Das seien ungefähr 18 Prozent weniger als das Mittel früherer Schätzungen. Der Grund für diese Diskrepanz ist vor allem, dass die Berechnungen nun auf detaillierteren Satellitendaten beruhen, so der Glaziologe Daniel Farinotti von der ETH Zürich.

Mit etwa 75.000 Kubikkilometern befindet sich fast die Hälfte des weltweiten Gletschereises (exklusive der Eisschilde der Antarktis und Grönlands) in der Arktis. Eines der wichtigsten Eis- und damit Süßwasserreservoirs der Welt liegt überdies im Himalaja, auf dem Tibetischen Plateau und in den Gebirgen Zentralasiens. Die dortigen Gletscher speisen wichtige Flusssysteme, in deren Einzugsgebiet Hunderte Millionen Menschen leben.

Die neuen Berechnungen ergaben in dieser Region ein gesamtes Gletschervolumen von rund 7.000 Kubikkilometern, was in etwa um ein Viertel unter dem zuvor angenommenen Wert liege. "Aufgrund dieser Neueinschätzung müssen wir davon ausgehen, dass die asiatischen Hochgebirge ihre Gletscher schneller verlieren können als bisher angenommen", so Farinotti.

Konkret bedeute dies, dass Asiens Gletscher möglicherweise schon in den 2060er- und nicht erst in den 2070er-Jahren ungefähr zu ihrer halben Größe zusammengeschrumpft sein könnten. Das wiederum hätte deutliche Auswirkungen auf die Wasserversorgung der vielen Menschen in der Region. Um 2090 rechnen die Wissenschaftler nun damit, dass aus diesen Gletschern bis zu 24 Prozent weniger Schmelzwasser in die Flüsse gelangen wird.

Insgesamt würde der Meeresspiegel um bis zu 32 Zentimeter ansteigen, wenn alle Berggletscher abschmelzen. Gebe es in den Alpen und Pyrenäen keine Gletscher mehr, ginge es um 0,3 Millimeter hinauf. Zum Vergleich: Schmilzt Grönlands Eisschild komplett, würden die Meere um rund sieben Meter ansteigen, wäre die Antarktis völlig eisfrei, wären es sogar um rund 60 Meter mehr.

Momentan tragen die Berggletscher aber sehr viel zu Seespiegelanstieg bei, "weil sie schneller reagieren als die großen Eisschilde", sagte Maussion. Zwischen 1990 und 2010 stieg der Meeresspiegel aufgrund des Gebirgsgletscher-Schmelzwassers um ungefähr 1,5 Zentimeter.

Auch nach der neuen Untersuchung bleiben aber Fragezeichen, weil es zu vielen Gletschern kaum belastbare Eisdeckenmessungen gibt. Das gilt laut Maussion vor allem für die Gebiete Hochasiens.

Quelle:
https://science.orf.at/stories/2964037/
(abgerufen am 12.02.2019)
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