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Das Ö1 Wirtschaftsmagazin
Montag, 19.11.2018, 12:23 Uhr
Wüsten, die direkt am Meer liegen, sind eigentlich paradox.
Wieso kann sich nahe am Wasser, wo doch genug Feuchtigkeit ist, eine Wüste ausbilden ?

Die Ursache für dieses Phänomen liegt in kalten Meeresströmungen bzw. kalten Auftriebswassern.
Sowohl vor Südamerika als auch vor Südwestafrika herrschen kalte Meeresströmungen, die von ablandigen Winden hervorgerufen werden.
Diese sorgen dafür, daß das relativ warme Oberflächenwasser weggetrieben wird, während gleichzeitig kaltes Wasser aus tieferen Schichten nach oben nachrückt.

Aus der Kombination der Bewegungsabläufe entsteht eine kalte, nahezu küstenparallele Meeresströmung.
Vor Südwestafrika ist dies der Benguelastrom, vor der Westküste Südamerikas der Humboldt−Strom.
Die aus dem Landesinneren wehenden Winde sind trocken und bringen der Küste keine Niederschläge.

Weht der Wind vom Meer auf das Land, sorgt die kalte Meeresoberfläche dafür, daß die Luftströmung nur wenig Feuchtigkeit aufnehmen kann.
Beim Überströmen der relativ warmen Landoberfläche kommt es zu Wolkenauflösung: eine Kondensation − und damit die Bildung von Niederschlägen − findet nicht statt.

Allerdings können die kalten Küstengewässer für verstärkte Nebelbildung sorgen. Dann kommt es zwar nicht zu Niederschlägen, aber die hohe Luftfeuchtigkeit zwischen 60 % und 80 % ermöglicht es speziell angepaßten Pflanzen, Feuchtigkeit über Nebel− und Taubildung aufzunehmen.

Die Atacama an der Westküste Südamerikas kann als Küstenwüste und im südlichen Teil als Wendekreiswüste angesehen werden.
Sie erstreckt sich entlang einer Küstenlinie von rund 3 500 km.
Da sie aber mit 100 km bis 500 km Breite recht schmal ist, beträgt ihre Fläche nur 400 000 km2.

Die Atacama gilt als Extremwüste der Erde. In den zentralen Teilen fallen manchmal über 10 Jahre lang überhaupt keine Niederschläge.
Der 15° C bis 20° C kalte Humboldt-Strom führt zwar zur Bildung von Küstennebel, verhindert aber die Entstehung von Niederschlägen.
So hat die Küstenstation Iquique zwar über 100 bewölkte Tage im Jahr und eine relative Luftfeuchtigkeit von meist 75 %, der Jahresniederschlag beträgt aber nur 39 mm.

Der Küstennebel, der sich in einer Höhe von 600 bis 1 000 m ausbreitet, reicht nur bis etwa 10 km ins Inland. Dahinter dehnt sich eine extrem heiße und trockene Wüste aus.

Übrigens:

Früher nutzten Segelschiffe die Passatwinde zur sicheren Überwindung der Ozeane.
Und der Name "Passat" leitet sich vom italienischen Wort "passata" für "Überfahrt" ab.
Küstenwüsten
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